Dissertationsvorhaben zum Thema "Trainings für Gewaltfreiheit"

Vom 2.-6.10.2006 hatte ich, Achim Schmitz, im Archiv Aktiv die Gelegenheit zur Recherche von Materialien über Trainings in gewaltfreier Aktion. Zum vierten Mal während meiner Dissertation konnte ich eine Fülle an Materialien sichten. In Zeitschriften, Büchern, Rundbriefen, Trainingsprotokollen, Evaluationen, Examensarbeiten, didaktischen Materialien, Methodensammlungen, usw. konnte ich in den letzten Jahren gerade im Archiv Aktiv aus dem Vollen schöpfen. Diese Fülle an Materialien von ca. 35 Jahren gebündelt auszuwerten, ist tatsächlich eine Aufgabe für mindestens eine Doktorarbeit.

Diesmal setzte ich mir im wesentlichen zwei Schwerpunkte: Ein Schwerpunkt lag darin herauszufinden - mit der Hilfe von Wolfgang Hertle, der sich in den entsprechenden Zeitepochen auskennt -, in welchen Kampagnen es welche herausragenden Aktionen gab, vor denen es evtl. Vorbereitungstrainings gab. Mir geht es darum, mit Fallbeispielen die Trainingsgeschichte plastisch erfahrbar zu machen und einer wissenschaftlichen Auswertung zugänglich zu machen. Exemplarisch wählte ich um die Kampagnen gegen Atomkraftanlagen (z.B. in Wyhl auf dem Bauplatz des Atomkraftwerks und in Gorleben an der Tiefbohrstelle 1004) und gegen Atomwaffen (v. a. in Mutlangen). Um mir einen tieferen Einblick in den Verlauf der Widerstandsgeschichte in Westdeutschland zu verschaffen, verschaffte ich mir einige Buchbeiträge dazu (u. a. von Wolfgang Hertle, Wolfgang Sternstein).

Ein anderer Schwerpunkt lag in der Auswertung der ersten Trainings in gewaltfreier Aktion in Westdeutschland, die meines Wissens so genannt wurden. Es waren v. a. Trainings, die Eric Bachman von 1972-1976 im Internationalen Freundschaftsheim in Bückeburg durchführte. Diese Trainings wurden protokolliert. Mit Hilfe der Trainingsprotokolle und möglichen durchzuführenden Interviews mit Akteuren aus dieser Zeit geht es mir um eine genaue Definition, ab wann es wirklich Trainings gab und welche Seminare Vorläufer davon waren. Außerdem sind auch diese Trainings Fallbeispiele, deren Auswertung Aufschluss über die Trainingsgeschichte geben kann.

Am 7.10.2006 luden das Archiv Aktiv, das Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung (IFGK), das Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation (ikm) und die Arbeitsstelle "Gewalt überwinden" der Nordelbischen Kirche zum Studientag in die Friedenskirche Hamburg-Altona ein. Dabei war ich einer der IFGK-MitarbeiterInnen, die den Studientag mit vorbereiteten. Der schwedische Friedensforscher und Friedensaktivist Stellan Vinthagen führte uns in "Gewaltfreie Aktion - eine soziale Praxis von Widerstand und konstruktivem Programm" ein. Auf der Basis von Definitionsansätzen zu Gewalt und Gewaltfreiheit stellte Vinthagen interdisziplinäre Ansätze zur Analyse gewaltfreier Aktion vor. Mit plastischen Beispielen und analytischen Instrumenten war es eine hilfreiche Kombination zwischen Theorie und Praxis. Danach wurden 7 Vorträge in 2 parallelen Gruppen gehalten. Die meisten stellten ihre Doktorarbeiten vor: Luise Schramm zur Rolle der evangelischen Kirche in den Konflikten um Atomkraft in Brokdorf, Miriam Schroer über genderorientierte Evaluation ziviler Konfliktbearbeitung (http://www.glow-boell.de/de/rubrik_2/5_1581.htm), Karsten Schulz über das Umweltfestival "AufTakt 1993" in Magdeburg (http://www.auftakt93.de) und seine Vorläufer sowie ich mit meinem Thema (http://www.frieden-achim-schmitz.de/html/deutsch/aktuelles/aktuelles_main.htm).

Martin Arnold referierte über Vorstellungen von Gandhi über die Wirkungsweise von Satjagrah (http://www.martin-arnold.de.vu). Beate Friedrich referierte über Perspektiven herrschaftskritischer, radikalökologischer und basisdemokratischer Bewegungs-Akteure bei Umwelt- und Technikkonflikten. Albert Fuchs stellte seine quantitativen Ergebnisse von Erkundungen zum Pazifismus-Militarismus-Komplex vor.

Von Feedbacks auf meinen Vortrag mit Schaubildern und Fallbeispielen nahm ich von WissenschaftlerInnen und TrainerInnen wertvolle Anregungen mit. Beim Thema von Luise Schramm konnte ich Querverbindungen zu meinem Thema herstellen, da Trainings auf Aktionen gegen Atomkraft vorbereiteten und die Entwicklung der Anti-Atomkraft-Bewegung mit ihren Strömungen dafür informativ ist.

So fühle ich mich durch meinen Forschungsaufenthalt in Hamburg mit Hilfe des Archiv Aktiv bestärkt und unterstützt, an meiner Dissertation weiterzuarbeiten. Mein Projekt kann auch gern finanziell unterstützt werden, um Fahrtkosten, Kopierkosten, Telefonkosten, sonstige Materialkosten, etc. decken zu können. Nähere Informationen dazu unter achim@frieden-achim-schmitz.de.

Achim Schmitz (Stuttgart)