Berichte über das Archiv

Ein neues Archiv für Bremen!

(von Petra Brixel)

Was gibt es Langweiliges als ein Archiv? Falsch gedacht! Außerdem sei die Frage erlaubt, waseine Welt ohne Archive, ohne historische Erinnerung wäre. Auch wenn es Zeitgenoss:innen gibt,die sehr gut ohne den historischen Rückblick leben können, so fragen andere: „Wie war das nochmal?“. und finden die Antwort in Archiven, die Originaldokumente, Handschriften, Fotos,Urkunden und Verwaltungsakten aufbewahren. Das bedeutet: Sie schützen Unterlagen vor demVerfall oder Verlust, sie ordnen die Dokumente und erstellen Verzeichnisse, um dieInformationen der Öffentlichkeit und Forschung zugänglich zu machen.

Staats-, Stadt- oder Kommunalarchive sichern die Akten von Verwaltung und Behörden, digitaleArchive speichern elektronische Unterlagen, und in dieser Archivlandschaft sind auchsogenannte private Archive wie z.B. Unternehmens-, Kirchen-, Vereins- oder Schularchive zufinden. Dazu kommen die Archive von unten – auch freie Archive genannt – als unabhängige,selbstorganisierte Archive und Dokumentationsstellen, die die Geschichte und Kulturgesellschaftlicher Bewegungen bewahren.

(Dass nicht wenige Menschen in ihrem Zuhause ein eigenes, biografisch orientiertes Archivunterhalten, in dem sie analog oder digital ihre persönlichen Dokumente und Erinnerungenaufbewahren, ist ein anderes Thema, muss aber erwähnt und vor allem gewertschätzt werden.)Im Bundesland Bremen gibt es über 50 freie und institutionelle Archive, von denen rund 40Einrichtungen im Arbeitskreis Bremer Archive zusammengeschlossen sind. Dazu gehören dasStaatsarchiv Bremen, Archive von Kultur-, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowiekleinere Stadtteil- und Heimatarchive. Die ersten freien Archive entstanden in den späten 1960erund 1970er Jahren aus Protest- und Basisbewegungen heraus; in den 1980er Jahren kam Materialder Neuen Sozialen Bewegungen hinzu.

Seit 2026 wird die Bremer Archivlandschaft durch ein weiteres freies Archiv bereichert: Anfangdes Jahres ist das zuvor in Hamburg ansässige „Archiv Aktiv“ nach Bremen umgezogen. DiesesArchiv versteht sich als ein Gedächtnis gewaltfreier Bewegungen und verfügt über eineumfangreiche Quellensammlung zur Geschichte und Praxis von Friedens-, Umwelt- und anderenneuen sozialen und gewaltfreien Bewegungen. Das „Archiv Aktiv“ beherbergt eineinhalbMillionen Seiten an Dokumenten, dazu Plakate, Protestschilder, Transparente, Fotos, Filme,Zeitschriften, Bücher, Broschüren, Rundbriefe, Flugblätter, Zeitungsartikel und interessanteKorrespondenzen aus den Bereichen der Ökologie-, Friedens- und Menschenrechtsbewegung.Dass sich Fragestellungen über die Jahrzehnte wiederholen, zeigen exemplarisch Themen wie„Krieg und Frieden“, „Kriegsdienstverweigerung“ oder „Stationierung von Atomwaffen“. Immerwieder gibt es ein Déjà-vu beim Anblick der Titel auf den Archivschachteln. Ja, es ist alles schoneinmal dagewesen, ist leidenschaftlich diskutiert und wortreich beschrieben worden. Es erscheintnotwendiger denn je, dass Archive wie dieses in krisenreichen Zeiten mit Material präsent sind,das auch dem Verständnis heutiger Strömungen und Widerstände dient. Archive werden gern alsOrte angesehen, die sich mit der Vergangenheit befassen, doch wird deren Relevanz für dieGegenwart zu leicht vergessen. Wer sucht, findet hier Antworten auf Fragen zu alten und neuenThemen, die im Zusammenhang mit Protestkultur, gewaltfreiem Widerstand und ZivilemUngehorsam stehen.

Dabei sind Archive weder Orte der Geheimhaltung noch Stellen, die nur ausgewiesenenWissenschaftler:innen vorbehalten sind. Im Gegenteil: Das „Archiv Aktiv“ ist – wie alle Archive– ein offenes, öffentliches und gastfreundliches Archiv, ein Dienstleister und auch ein Ort derVernetzung. Das „Archiv Aktiv“ wendet sich an Menschen, die sich für eine bewegtegesellschaftspolitische Vergangenheit interessieren. Wer das Archiv in der Stresemannstraße 54betritt – nach Voranmeldung –, hat kompetente Personen zur Seite, die gerne eine allgemeineFührung machen oder bei der gezielten Recherche behilflich sind.

Dass Archivarbeit Spaß macht und dass auch ungeschulte Laien-Archivar:innen höchstwillkommen sind, sei hier ausdrücklich angemerkt. Bei der ehrenamtlichen Mitarbeit gibt esfachliche Anleitung.

Offiziell eröffnet wird das „Archiv Aktiv“ am Sonntag, 15. November 2026, um 11:00 in denneuen Archivräumen in der Stresemannstraße 54. Hier wird das Material präsentiert, werdenBestände erklärt und gibt es Informationen über Nutzung und Mitarbeit, und das alles bei Musikder „Lebenslaute“ und Fingerfood. Das Archiv freut sich über interessierte und neugierigeBesucher:innen.

Mut zur Lücke

Ein Rundgang durch das frühere ARCHIV AKTIV in Hamburg
und die Geschichte des gewaltfreien Widerstandes.

Ein Film von Ines Lessing + Thomas Deuber

Holger-Isabelle Jänicke und Andrea Walter führen durch das ehrenamtlich betriebene Archiv, erläutern Fragen zur Archivierung und stellen anhand von „Bildern der Dekaden“ unterschiedliche Ausprägungen des gewaltfreien Widerstandes vor.

DOKUMENTE

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